Paartherapie, Familientherapie und Mediation
Krise · Konflikte · Sexualität · Patchwork
Kennen Sie Krisen, Konflikte oder unterschiedliche Bedürfnisse in der Sexualität in Ihrer Liebesbeziehung? Oder leben Sie in einer neuen Partnerschaft mit Kindern und an vielen Orten zwickt es? Wünschen Sie sich eine Veränderung?
Oft sind Konflikte ein Ausdruck von unerfüllten Wünschen und Sehnsüchten – im Alltag nennen wir sie meist schlicht „Erwartungen“. Gemeinsam schauen wir unter die Oberfläche Ihrer Konfliktmuster, um die eigentlichen Auslöser zu verstehen. Dieses Wissen nutzen wir, um neue Handlungsspielräume zu erarbeiten, die Ihre Beziehung zu mehr Sicherheit und Verbundenheit führen. So verwandeln Sie altes Unverständnis in ein neues, lebendiges Miteinander.
„Feierabend. Das Kind schläft. Sie freut sich auf Zeit zu zweit. Er will noch eine letzte E-Mail schreiben, starrt auf den Laptop, als sie in den Raum kommt. Sie fühlt sich übergangen. Ihr Ton wird vorwurfsvoll. Er will keinen Streit, hat sich auch auf den gemeinsamen Abend gefreut. Jetzt nur kein Konflikt: sein Blick wandert zurück zum Bildschirm. Ihr Ton wird schärfer. Sie fühlt sich ignoriert. Er verlässt den Raum. Sie folgt ihm. Und dann der Streit.
Das erfundene Beispiel zeigt eine typische Situation: Kleine Missstimmungen enden bei vielen Paaren immer wieder in massiven Auseinandersetzungen. Das typische Streitmuster: Einer konfrontiert und fordert, der andere zieht sich zurück. Die Paarforscherin Sue Johnson hat dieses sogenannte Push – and – Pull – Muster schon früh identifiziert. Dabei zeigte sich: Besteht ein Paar aus einem fordernden Menschen und aus einer Person, die sich eher zurückzieht, dann entsteht eine Choreografie aus Verfolgung und Rückzug. Diese Dynamik verstärkt sich in Konflikten.
Die Beziehung zu den Eltern ist prägend
Es ist ein Teufelskreis, der oft in Trennungen endet, weil die Dynamik mit alten psychischen Wunden zusammenhängt. Wissenschaftler verstehen Paarbeziehungen als Bindungsbeziehungen. Sie gehen davon aus, dass das Eltern – Kind – Verhältnis auch spätere Erwachsenenbeziehungen prägt. Erleben die Kinder die Eltern als zuverlässig, warm und zugewandt, entwickeln sie Vertrauen. In der Bindungstheorie sagt man, diese Kinder seien sicher gebunden. Diese emotionale Sicherheit verleiht ihnen später die Fähigkeit, ihre Gefühle angemessen zu steuern. Kommen in aufreibenden Konfliktsituationen Gefühle von Wut, Angst und Verzweiflung auf, dann schaffen sie es, sich eigenständig zu beruhigen. Doch nicht alle Menschen haben dies in frühen Jahren erleben dürfen. Wer als Kind emotional alleingelassen, beschämt oder übersehen wurde, dem mangelt es an sicheren Bindungserfahrungen. Für spätere Beziehungen ist das eine Herausforderung. Denn sicher gebundene Kinder führen bessere Paarbeziehungen. Sicher gebundene Kinder entwickeln sich zu Erwachsenen, denen es gut gelingt, die eigenen Gefühle zu regulieren auch in Momenten, in denen das Verständnis des Partners fehlt. Umgekehrt haben es unsicher gebundene Menschen in Paarbeziehungen schwerer. Forscher unterscheiden dabei zwischen unsicher – ängstlichen und unsicher – vermeidenden Typen. Menschen mit ängstlicher Bindung haben ihre Eltern als unberechenbar erlebt – mal verständnisvoll zugewandt, mal kalt und lieblos. Die Bezugsperson kann also beides sein: Quelle von Trost und von Stress. Diese inkonsistenten Erfahrungen führten dazu, dass die betroffenen Kinder die Umgebung intensiv auf Stimmungswechsel scannen – das Kind lernt, wachsam zu sein. Ziel dieser erhöhten Aufmerksamkeit ist es, potenzielle Zurückweisung früh zu antizipieren, um möglichst schnell gegensteuern zu können und Kontrolle, also Sicherheit, über die Situation zurückzuerlangen.
Diese Kinder fühlen sich auch im Erwachsenenalter übermässig verantwortlich für die Beziehung, ergreifen oft die Initiative für Gespräche, fordern Erklärungen, wollen klären, verstehen, um die Nähe wiederherzustellen. Damit bauen sie aber auch Druck auf. Der unsicher – ängstliche Bindungsstil ist etwas häufiger bei Frauen sichtbar. Männer hingegen sind ein wenig häufiger vom unsicher – vermeidenden Bindungsstil betroffen. Die Unterschiede sind allerdings gering. Der unsicher – vermeidende Bindungstyp hat in der Kindheit erlebt, dass seine Bedürfnisse ignoriert oder bestraft werden. Die Eltern zeigten typischerweise wenig Wärme und Zuneigung. Zeigt das Kind beispielsweise ein gemaltes Bild oder teilt ein Erfolgserlebnis, reagieren diese Eltern gar nicht oder gleichgültig. Äussert das Kind Angst vor der Dunkelheit, spielen die Eltern das Gefühl herunter. So lernt das Kind, dass das Ausdrücken eigener Bedürfnisse ins Leere läuft und mitunter sogar abgestraft wird. Aus diesen Kindern werden Erwachsene, die Schutz in Distanz, in übertriebener Unabhängigkeit suchen. In Konflikten äussert sich das oft in Rückzug und geringer Bereitschaft, Spannungen offen auszutragen.
Das Streitmuster ist der Feind
Werden eine unsicher – ängstlich gebundene und eine unsicher – vermeidend gebundene Person zum Liebespaar, kommt es früher oder später zum Clash: Der ängstlich Gebundene reagiert überaktiv auf Konflikte, der vermeidend Gebundene zieht sich zurück – was zur Folge hat, dass der ängstlich Gebundene noch intensiver reagiert. Beide Personen – die ängstliche und die vermeidende – fühlen sich unsicher, nur im Umgang mit diesem Gefühl weichen sie stark voneinander ab. Kann es solchen Paaren gelingen aus diesem Teufelskreis auszubrechen? Ja, das ist möglich. In der Therapie wird versucht, den Paaren zu vermitteln, dass das Streitmuster der Feind ist und nicht der Partner. Die emotionsfokussierte Paartherapie versteht Konflikte als Ausdruck von Bindungsangst. Die Therapeut:innen helfen dem Paar, das zu erkennen. Es begreift dann, dass hinter den heftigen Reaktionen oft früh enttäuschte Bedürfnisse stehen.
Sue Johnson, die Begründerin der emotionsfokussierten Paartherapie, arbeitet zunächst mit der zurückweichenden Person und versucht, die Ursachen hinter dem abwehrenden Verhalten zu verstehen. Sich verletzlich zu zeigen, ist letztlich der Schlüssel. Das erfordert Mut. Signalisiert der vermeidende Partner erstmals wieder emotionale Zugänglichkeit, gibt die ängstlich gebundene Person oft ihre verfolgende Haltung auf. Möglich ist auch, andersherum vorzugehen und mit der ängstlich gebundenen Person zu beginnen. Diese hat meist ein stärkeres Bedürfnis, sich mitzuteilen, und so bietet sich der/die Therapeut:in an, zuzuhören. Die Verfolgerin macht so die Erfahrung, dass sie wahrgenommen wird, und reagiert weniger fordernd auf den Partner. Wenn sie diesen in der Sitzung dennoch zu Erklärungen und Antworten drängt, kann der/die Therapeut:in sie sanft stoppen und und zum Beispiel fragen: «Wie fühlt sich das an, wenn er sich zurückzieht?» Der/die Therapeut:in wird zum Puffer, entlastet den vermeidenden Partner und schafft einen Raum in dem beide Partner die Logik hinter dem Verhalten des anderen besser verstehen können. Ob der erste Schritt vom Vermeider oder von der Verfolgerin ausgeht: Ziel ist, dass beide eine neue Erfahrung machen. Sie erkennen die Verletzlichkeit hinter der Fassade und sehen die guten Intentionen im Verhalten des Partners.“
Nadine Zeller in „NZZ am Sonntag“ vom 8.03.2026 (gekürzte Fassung)
Kosten:
Der Tarif beträgt für eine Sitzung für zwei oder mehr Personen à 50 Minuten 220.00 sFr. (inkl. 10 Minuten Vor- und Nachbereitung). Für eine Therapiesitzung werden 75 Minuten à 330.00 sFr. (inkl. 15 Minuten Vor- und Nachbereitung) geplant.
Zeitüberschreitungen bzw. zusätzliche Arbeiten wie Telefon- und Mailkontakte oder Verlaufsberichte werden pro 15 Minuten verrechnet. Sitzungstermine werden verbindlich festgelegt. Sollten Sie einen Termin trotzdem absagen müssen, bitte ich Sie, diesen aufgrund der akuten Unterversorgung für Psychotherapie mindestens 48 Stunden, bzw. zwei volle Arbeitstage (Arbeitstage sind Montag bis und mit Freitag) vor dem vereinbarten Termin zu tätigen, ansonsten muss die vereinbarte Sitzungszeit unabhängig des Grundes berechnet werden.
* Zusatzversicherung: Zusatzversicherungen sprechen für Paar-, bzw. Familientherapien im Normalfall keine Kostengutsprache. Falls eine Person jedoch ein psychisches Leiden nach ICD hat, das sich belastend auf die Paar-, bzw. Familienbeziehung auswirkt, beteiligen sich einige Zusatzversicherungen an den Kosten einer Psychologischen Psychotherapie im Rahmen einer Paar-, bzw. Familientherapie. Erkundigen Sie sich bitte vor dem Erstgespräch über die Bedingungen Ihrer Kasse. Als eidg. anerkannter Psychotherapeut bin ich berechtigt über die Zusatzversicherung abzurechnen (ZSR – Nummer: V585131).
* Grundversicherung: ich rechne nicht über die Grundversicherung ab.
